Warum giftfrei bzw. pestizidfrei erzeugte Lebensmittel wichtig sind

Lebensmittel entstehen nicht erst im Laden oder in unserer Küche. Ihre Qualität beginnt bereits bei der Erzeugung.

Welche Verfahren eingesetzt werden, welche Stoffe auf Pflanzen, Böden und Flächen gelangen und wie mit unerwünschten mikrobiologischen Belastungen umgegangen wird, beeinflusst den gesamten Weg vom Anbau bis zum Lebensmittel.

Giftfrei-Leben setzt deshalb möglichst früh an:

Belastungen möglichst vermeiden, statt sie erst später bewerten oder beseitigen zu müssen.

Dabei geht es nicht um Angst vor Lebensmitteln und auch nicht um pauschale Urteile über Landwirtschaft.

Es geht um eine einfache Frage:

Wo können wir vermeidbare Belastungen bereits während der Erzeugung sinnvoll reduzieren oder ganz vermeiden?


Was bedeutet bei uns „giftfrei erzeugt“?

Als verständliche Kurzform sprechen wir von:

giftfrei bzw. pestizidfrei und erregerarm erzeugten Lebensmitteln.

Gemeint ist eine Erzeugung, die auf relevante chemische und biologische Pestizidanwendungen möglichst verzichtet und – wo erforderlich – sinnvolle Maßnahmen zur Verringerung unerwünschter mikrobiologischer Belastungen einbezieht.

Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig:

„Giftfrei erzeugt“ ist eine Aussage über die angestrebte Erzeugungsweise – keine Garantie dafür, dass ein Lebensmittel analytisch frei von sämtlichen Umwelt- oder sonstigen Rückständen ist.

Auch Einträge aus Luft, Wasser, früherer Bodennutzung, Verarbeitung, Transport oder anderen Quellen können den späteren Zustand eines Lebensmittels beeinflussen.

Deshalb betrachten wir die gesamte Kette:

Erzeugung → äußere Einflüsse → Ernte → Lagerung und Transport → Verarbeitung → Lebensmittel


Warum überhaupt auf Pestizidanwendungen verzichten?

Pflanzenschutzmittel erfüllen eine Funktion: Sie sollen Kulturpflanzen vor Krankheiten, Schädlingen oder unerwünschten Pflanzen schützen.

Gerade weil sie biologisch wirksam sind, können mit ihrem Einsatz aber auch Auswirkungen verbunden sein, die über den eigentlichen Zielorganismus hinausgehen.

Pflanzenschutzmittel können beispielsweise in Böden, Gewässer oder andere Bereiche der Umwelt gelangen. Ihre Wirkungen unterscheiden sich dabei erheblich nach Wirkstoff, Anwendung, Menge und Standortbedingungen. Umweltbehörden untersuchen deshalb unter anderem Auswirkungen auf Bodenorganismen, Nichtzielorganismen sowie Grund- und Oberflächenwasser.

(Quellen: Umweltbundesamt: „Bodenlebewesen durch Pflanzenschutzmittel gefährdet“, „Pflanzenschutzmittel“, „Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf Grund- und Trinkwasser“)

Aus unserer Sicht liegt deshalb eine sinnvolle Vorsorgefrage nahe:

Wenn sich ein gewünschtes Ergebnis zuverlässig ohne Pestizidanwendung erreichen lässt – warum sollten Pestizidanwendungen dann noch selbstverständlich zum Standard gehören?


Rückstände richtig einordnen

Lebensmittel werden in Europa regelmäßig auf Pestizidrückstände untersucht. Für Wirkstoffe gelten gesetzliche Rückstandshöchstgehalte, und Behörden bewerten die mögliche Aufnahme durch Verbraucher.

Dabei ist eine differenzierte Betrachtung wichtig:

Ein nachweisbarer Rückstand bedeutet nicht automatisch eine Gesundheitsgefährdung.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA kommt bei ihren aktuellen europäischen Überwachungsdaten insgesamt zu dem Ergebnis, dass das geschätzte gesundheitliche Risiko durch Pestizidrückstände in den untersuchten Lebensmitteln niedrig ist.

(Quelle: European Food Safety Authority – Pesticide residues in food)


Giftfrei-Leben setzt deshalb an einem anderen Punkt an:

Wir möchten nicht aus jedem Rückstand eine Gefahr ableiten, sondern fragen, welche Anwendungen und damit mögliche Einträge bereits an ihrer Quelle vermieden werden können.

Das ist für uns Vorsorge – nicht Angstmache.


Boden und Wasser gehören zur Lebensmittelproduktion dazu

Landwirtschaft findet nicht isoliert statt.

Boden, Wasser, Pflanzen, Mikroorganismen und zahlreiche weitere Lebewesen bilden miteinander verbundene Systeme.

Pflanzenschutzmittel können nach ihrer Anwendung in den Boden gelangen. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Bodenorganismen wesentliche Funktionen bei Humusbildung, Nährstoffkreisläufen und Bodenstruktur erfüllen und dass die langfristigen Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf diese komplexen Lebensgemeinschaften teilweise noch nicht ausreichend erforscht sind.

(Quelle: Umweltbundesamt – Bodenlebewesen durch Pflanzenschutzmittel gefährdet)


Auch Wirkstoffe oder ihre Abbauprodukte können unter bestimmten Bedingungen über den Boden in das Grundwasser gelangen.

(Quelle: Umweltbundesamt – Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf Grund- und Trinkwasser)


Für Giftfrei-Leben ist deshalb die Frage nach der Erzeugungsweise immer auch eine Frage nach dem Umgang mit den natürlichen Grundlagen der Lebensmittelproduktion.


Nichtchemische Verfahren haben bereits heute Vorrang

Die Idee, Pestizide nicht automatisch als erste Lösung einzusetzen, ist keineswegs außergewöhnlich.

Die europäische Richtlinie 2009/128/EG zum nachhaltigen Einsatz von Pestiziden sieht für den integrierten Pflanzenschutz ausdrücklich vor, einen Pflanzenschutz mit geringer Pestizidverwendung zu fördern und nichtchemischen Methoden wann immer möglich den Vorzug zu geben.

Auch die allgemeinen Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes sehen vor, nachhaltige biologische, physikalische und andere nichtchemische Methoden gegenüber chemischen Methoden zu bevorzugen, wenn damit ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden kann.

(Quelle: EUR-Lex – Europäische Richtlinie 2009/128/EG)

Giftfrei-Leben geht in seiner Zielsetzung noch einen Schritt weiter:

Wir prüfen Möglichkeiten, bei denen möglichst auch auf relevante biologische Pestizidanwendungen verzichtet werden kann.

Entscheidend ist dabei nicht die Bezeichnung einer Methode, sondern:

Funktioniert sie unter den konkreten Bedingungen zuverlässig, rechtlich zulässig und praktisch sinnvoll?


Bio und giftfrei sind nicht dasselbe

Ökologischer Landbau hat eigene Regeln, Anforderungen und wichtige Leistungen.

Bio ist deshalb für uns keine Gegenposition.

Gleichzeitig bedeutet „Bio“ nicht automatisch, dass bei der Erzeugung keinerlei Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.

Der von Giftfrei-Leben angestrebte Standard stellt deshalb eine andere Frage:

Kann eine Erzeugung noch weiter gehen und auf relevante chemische und biologische Pestizidanwendungen möglichst verzichten?

Bio-Erzeuger, die solche Wege prüfen oder entwickeln möchten, sind ausdrücklich Teil dieses Lösungsraums.


Prüfen statt versprechen

Es wäre nicht seriös zu behaupten, dass bereits für jede Kultur, jeden Standort, jede Krankheit und jeden Schädlingsdruck eine gleichermaßen belastbare pestizidfreie Lösung vorhanden ist.

Deshalb unterscheiden wir bewusst zwischen:

  • wissenschaftlich oder behördlich überprüfbaren Erkenntnissen,
  • dokumentierter praktischer Erfahrung,
  • erfolgversprechenden Ansätzen, die noch weiter geprüft werden müssen,
  • und offenen Forschungsfragen.

Neue Verfahren sollten nicht deshalb übernommen werden, weil sie gut klingen.

Sie sollten geprüft, angewendet, dokumentiert und verbessert werden.

So kann aus einer interessanten Möglichkeit schrittweise eine belastbare Praxis entstehen.


Warum das für Verbraucher wichtig ist

Verbraucher entscheiden mit ihrer Nachfrage darüber, welche Formen der Lebensmittelproduktion wirtschaftlich interessant werden.

Wer genauer wissen möchte, wie Lebensmittel erzeugt wurden, kann beispielsweise:

  • nach Herkunft und Produktionsweise fragen,
  • sich über eingesetzte Verfahren informieren,
  • mit Erzeugern ins Gespräch kommen,
  • bewusst nach pestizidfrei erzeugten Angeboten fragen,
  • Interesse sichtbar machen und weitergeben.

Es geht nicht darum, von heute auf morgen alles zu verändern.

Eine bewusste Frage kann bereits ein sinnvoller Anfang sein.

👉 Mein Weg als Verbraucher


Warum das für Erzeuger wichtig sein kann

Für Erzeuger geht es nicht nur um eine Methode.

Neue Wege müssen zu Kultur, Standort, Betrieb, Arbeitsaufwand, Pflanzenzustand, Wirtschaftlichkeit und Absatz passen.

Deshalb lautet unsere Frage nicht:

„Warum machst du es nicht anders?“

Sondern:

„Welche Alternative könnte unter deinen Bedingungen sinnvoll sein – und wie lässt sie sich belastbar prüfen?“

Dabei können auch Nachfrage, Kundenbindung, Unabhängigkeit, Arbeitsschutz und neue wirtschaftliche Perspektiven eine Rolle spielen.

👉 Mein Weg als Erzeuger


Wissen soll zu besseren Entscheidungen führen

Giftfrei-Leben möchte weder Angst erzeugen noch Menschen vorschreiben, wie sie zu handeln haben.

Wir möchten Informationen verständlich machen, unterschiedliche Ebenen sauber auseinanderhalten und dort weiterforschen, wo belastbare Antworten noch fehlen.

Denn eine langfristige Veränderung entsteht nicht dadurch, dass Menschen etwas glauben müssen.

Sie entsteht, wenn sie Zusammenhänge verstehen, Möglichkeiten prüfen und aus eigener Überzeugung entscheiden können.

Orientierung kommt vor Entscheidung.
Prüfen kommt vor Versprechen.
Und aus Wissen kann Handlung entstehen.


Weiterführende Informationen

  • Umweltbundesamt – Pflanzenschutzmittel und ihre Umweltwirkungen (Link)
  • EFSA – Pestizidrückstände in Lebensmitteln (Link)
  • EU-Richtlinie 2009/128/EG – nachhaltiger Einsatz von Pestiziden (Link)
  • Giftfrei-Leben-Systembibliothek

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Giftfreie Lebensmittel
Giftfreie Lebensmittel – der neue Weg für Gesundheit und Umwelt